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Jensen, U., Netscher, S., & Weller, K. (Eds.). (2019). Forschungsdatenmanagement sozialwissenschaftlicher Umfragedaten. Verlag Barbara Budrich. https://doi.org/10.3224/84742233

Zusammenfassung

Als vor rund 60 Jahren das erste sozialwissenschaftliche Datenarchiv – als Zentralarchiv an der Universität zu Köln – in Deutschland gegründet wurde, steckte die langfristige Sicherung von Forschungsdaten noch in ihren Kinderschuhen. Zunächst galt es herauszufinden, was die Archivierung von sozialwissenschaftlichen Forschungsdaten überhaupt bedeutet. Dies betraf einerseits die Forschungsethik und den Schutz der Befragten bzw. ihrer persönlichen Informationen. Anderseits galt es grundlegend zu klären, wie Forschungsdaten – damals noch als Lochkarten – längerfristig gesichert und zur Nachnutzung erhalten werden konnten. Damit verbunden waren beispielsweise organisatorische Fragen oder das Problem einer adäquaten Dokumentation zur Gewährleistung der Verständlichkeit von Forschungsdaten. In den vergangenen 60 Jahren hat sich viel verändert. Getrieben durch die Digitalisierung und die Möglichkeit Forschungsdaten über das Internet zugänglich zu machen, bauten Archive nicht nur eine eigene Infrastruktur systematisch auf und aus, sondern investierten auch in die Entwicklung gemeinsamer Standards, etwa zur Datendokumentation oder Datenzitation. Dieser Prozess dauert weiter an und als sozialwissenschaftliche Datenarchive stehen wir heute vor neuen Herausforderungen, etwa in Bezug auf neue Datentypen. Heute befindet sich die Archivierung sogenannter Big Data, wie etwa von Social Media oder georeferenzierten Daten, noch in ihren Anfängen. Wie in den letzten 60 Jahren gilt es auch heute zu klären, wie derartige neue Datentypen überhaupt archiviert und langfristig zur weiteren Nutzung gesichert werden können. Derweil hat sich die Idee der langfristigen Sicherung, Archivierung und Verfügbarkeit von Forschungsdaten in der sozialwissenschaftlichen Forschungsgemeinschaft verfestigt. Während vor rund 60 Jahren der Wille zum Teilen der Daten nur sehr schwach ausgeprägt war, ist die Bereitstellung von Forschungsdaten zu Transparenz- und Replikationszwecken ebenso wie zur Nachnutzung durch Dritte mittlerweile zu einem Bestandteil guter wissenschaftlicher Praxis geworden. Um Forschende bei der Erstellung archivier- und teilbarer Daten zu unterstützen, ist ein adäquates und gezieltes Forschungsdatenmanagement unerlässlich. Nur so können Forschende von Projektbeginn an sicherstellen, dass ihre Forschungsdaten längerfristig erhalten bleiben und Dritten verfügbar gemacht werden können. Mit Freude habe ich daher die Idee dieses Buches zur Kenntnis genommen und ihre Umsetzung nach besten Kräften unterstützt. Anhand praxisnaher Beispiele aus der täglichen Archivarbeit, den vielfachen Projektberatungen und den langjährigen Kooperationen mit großen (inter-)nationalen Umfrageprogrammen bietet das Buch einen leichten Einstieg in grundlegende Fragen des Forschungsdatenmanagements. Es veranschaulicht archivspezifische Infrastrukturen zur Unterstützung der Nachnutzbarkeit von Forschungsdaten und diskutiert neue Herausforderungen, mit denen Archive ebenso wie Forschende heute konfrontiert sind. Besonders freut mich daher auch die Unterstützung von GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften und die Finanzierung des Buches im Open-Access-Format. Für mich verbindet sich damit sowohl die Hoffnung, Forschende in ihrem Forschungsdatenmanagement gezielt zu fördern, als auch zukünftig weiterhin qualitativ hochwertige Daten archivieren und der Forschungsgemeinschaft zur Nachnutzung zur Verfügung stellen zu können.

https://doi.org/10.3224/84742233